Ein Hofarchitekt entwirft Möbel

Leineschloss

Hannah-Arendt-Platz 1 (ehem. Leinstraße), Hannover

Auftraggeber

Prinzregent Georg, der spätere König Georg IV. (1762–1830)
König Wilhelm IV. (1765–1837) 
König Ernst August von Hannover (1771–1851)

Bauzeit 1816–1844
ab 1816 Planungen und Umbau des aus einem Minoritenkloster hervorgegangenen Schlosses durch Laves zur Königsresidenz im klassizistischen Stil
1957–1962 Wiederaufbau der Umfassungsmauern und Neuanlage der Räume nach Zerstörungen im II. Weltkrieg

Nachnutzung  
ab 1866 Sitz der preußischen Verwaltung und Wohnräume für Besuche der Hohenzollern
ab 1936 Heeresgedenkstätte und in Teilen Museum
seit 1962 Sitz des niedersächsischen Landtags

Der Umbau des Leineschlosses zur Königsresidenz war Laves größter Auftrag, der sich über fast drei Jahrzehnte hinzog. Es galt, Teile abzureißen und mehrere Gebäudetrakte unterschiedlichen Alters mit den Neubauten zu einem Ganzen zusammenzufügen. Das Ergebnis war jedoch ein Torso mit asymmetrischem Grundriss und nur bedingt städtebaulicher Anbindung.

1830 fiel die Entscheidung, das in der Altstadt gelegene Schloss nur für repräsentative Aufgaben zu nutzen. Für Wohnzwecke standen das gegenüber gelegene Palais an der Leinstraße und Schloss Herrenhausen vor den Toren der Stadt zur Verfügung. 1834–1843 erfolgte  die Gestaltung von über 40 Räumen. Nach Laves’ Vorgaben entstanden 1834–1836 in der II. Etage mehrheitlich klassizistisch geprägte Säle: das Festappartement, der Rittersaal und zwei Speisesäle. 1837–1843 wurden die Gesellschaftszimmer (I. Etage) und der Thronsaal (II. Etage) im Neurenaissancestil nach Entwürfen seines Mitarbeiters Justus Molthan ausgeführt. Die gesamte Ausstattung ging im II. Weltkrieg verloren.  

Georg Ludwig Friedrich Laves, Leineschloss, Flügel mit ehem. Wintergarten; Historisches Museum Hannover (Foto: Reinhard Gottschalk, 2015)

Leineschloss, Cour-Saal – Fotografie, 1866; Sammlung Dann

Der Sessel stand einst zusammen mit 26 weiteren im Cour-Saal des Leineschlosses. Eine erhaltene Fotografie von 1866 zeigt den Raum und die entlang der Wände aufgestellten Sessel. Es war in Staatssälen üblich, nur Sitzmöbel und keine größeren Tische oder Schränke aufzustellen. Der Sessel wirkt durch die großflächige Vergoldung mit polierten und matten Partien sehr kostbar.

Bemerkenswert sind die Armlehnstützen mit geflügelten Löwenköpfen. Geflügelte Tiere und Mischwesen waren in der Zeit des Empire im Möbelbau sehr beliebt.

Sessel

G. L. F. Laves, um 1834, Buche,             geschnitzt und vergoldet, Polsterung  erneuert; Privatbesitz

Leineschloss, Landschaften-Saal – Fotografie, 1866; Sammlung Dann

Der schlichte, englisch inspirierte Biedermeierstuhl besitzt gedrechselte balusterförmige Vorderbeine und einen Sitzrahmen mit rückseitig gerundeten Ecken. Es handelt sich um einen sogenannten »Massenstuhl«, der in großer Stückzahl angeschafft wurde. Unter anderem stattete man damit Speisesäle aus. Die Sitzflächen waren daher stets mit Leder überzogen. In den 1840er-Jahren befanden sich allein 196 dieser Stühle im Landschaften-Saal des Leineschlosses. Weitere Exemplare standen im Schloss Celle.

Stuhl

G. L. F. Laves zugeschrieben, um 1835, Buche und Eiche (Blindholz), Mahagoni (Furnier), Polsterung erneuert; Privat-besitz

Rittersaal im Leineschloss – Fotografie, um 1910; Historisches Museum Hannover
Umgestaltung durch G. L. F. Laves unter Beibehaltung der barocken Decke, Entwurf um 1830/33

72 dieser Stühle standen ursprünglich im Rittersaal des Leineschlosses. Die aus schwarz gebeiztem Birnbaumholz gefertigten Stühle sollten den Eindruck erwecken, als wären sie aus dem kostbaren dunklen Ebenholz gefertigt. Ihre gusseisernen Beschläge stammen aus einer hannoverschen Eisenhütte im Harz. Der Rittersaal besaß eine barocke Deckengestaltung. Zierformen des Stuhls sind     stilistisch daran angelehnt. Die originalen Lederpolster zeigen Wappenmotive des Hauses         Hannover (Guelphenorden).

Stuhl

G. L. F. Laves, um 1833, Buche,         Birnbaum, geschnitzt und schwarz      gebeizt, Beschläge: Gusseisen, Bezug aus rotem, goldgeprägten Leder;
Stiftung Schloss Marienburg