Ein Hofarchitekt entwirft Möbel

9. Stilfragen: Empire und Biedermeier

Zeremonial- und Festräume in den Schlössern deutscher Fürsten und Könige waren zwischen 1815 und 1840 häufig mit repräsentativem Mobiliar im Spätempire-Stil ausgestattet. Es waren vergoldete, weiß-gold gefasste oder mit Mahagoni furnierte Möbel mit reichem applizierten Bronzeschmuck. Form und Ornamentik lehnten sich an die Antike an. Die Sitzmöbel reihten sich nach französischem Vorbild zumeist entlang der mit Seidenstoffen bespannten Wände. Die Raummitte blieb als »Bühne« für das höfische Zeremoniell frei.

In den Wohnräumen wurde dieser Prunk bewusst zurückgenommen. Englisch inspiriertes Biedermeiermobiliar mit furnierten Oberflächen und holzfarbenem Schnitzwerk bestimmte das Bild. Die funktionalen Möbel arrangierte man zu kleinen Gruppen im Raum. An den Wänden befanden sich preiswertere Papiertapeten. Höhergestellte Adlige suchten den königlichen Prunk solcher Zeremonial-, aber auch den Stil der Wohnräume in Abhängigkeit von ihren finanziellen Möglichkeiten nachzuahmen.

Bildnis des Oberhofmarschalls Carl Philipp von Hardenberg – Georg Friedrich Reichmann (1793–1853), 1820/30, Öl auf Leinwand; Privatbesitz

Dieser imposante Schrank entstand zweifelsfrei für das Palais von Wangenheim. Die verglasten Türen der Front sind typisch für Bücherschränke. Vorbilder fand Laves in Frankreich, wobei konkrete Vor-lagen nicht auszumachen sind. Die Größe, der an antike Architektur angelehnte Aufbau und der Kontrast aus rotbraunem Mahagoniholz und den vergoldeten Schmuckelementen machen diese Schränke zu sehr repräsentativen Möbelstücken.

Bücherschrank 

G.L.F. Laves, 1830er-Jahre, Nadelholz (Blindholz), Mahagoni (Furnier), Glasscheiben, Schmuckformen: Bronze,    gedrücktes Messing, Zinn und Stuckmasse, alles vergoldet; Land Niedersachsen (Restauriert mit Mitteln der  Stiftung Niedersachsen)

Den zierlichen Bücherschrank entwarf Laves für seine eigene Wohnung. Das Möbel setzt sich deutlich von dem monumentalen Bücherschrank für das Palais von Wangenheim ab. Typisch für solche Möbel des Biedermeier sind ihre Funktionalität und die Abmessungen, die sich an der Größe des Menschen orientieren. Ein weiteres Merkmal dieses Stils ist der weitgehende Verzicht auf vergoldete Metallbeschläge zugunsten von Schmuckformen aus Holz.

Bücherschrank

G. L. F. Laves, nach 1822/24, Nadelholz (Blindholz), Mahagoni (Furnier), Glas, Schmuckformen: Holz, gedrücktes   Messing; Privatbesitz

Das Sofa im Stil des Spätempire mit seinen zahl-reichen goldfarbenen Beschlägen war sicherlich einst Bestandteil einer repräsentativen, wohl       höfischen Raumausstattung. Laves verarbeite   hierfür einen französischen Entwurf, den er nur geringfügig abwandelte (La Mésangère, 1815/1816). Die Beschläge wurden im Detail verändert und das  Möbel erhielt niedrigere Blockfüße. Für seine eigene Wohnung entwarf Laves ein vergleichbares,     jedoch deutlich schlichteres Sofa.

Kastensofa 

G. L. F. Laves, 1820/1840, Nadelholz (Blindholz), Mahagoni (Furnier),
Beschläge: Bronze vergoldet, Messing gedrückt, Polsterung erneuert;
Privatbesitz

Das Sofa im Stil des Biedermeier hat Laves für    seine eigene Wohnung entworfen. Er zitiert dafür fast wörtlich aus einem französischen Vorlagenwerk von La Mésangère (1815/16), variiert jedoch die Zierelemente und ließ sie größtenteils als Schnitzerei ausführen.

Im Vergleich zum vorigen Sofa zeigt sich, wie Laves ein Möbelmodell für verschiedene Auftraggeber und Ausstattungssituationen in unterschiedlicher Ausführung herstellen ließ.

Kastensofa 

G. L. F. Laves, nach 1822/24, Nadelholz (Blindholz), Mahagoni (Furnier), Schmuckformen: Holz geschnitzt,     Messing, Polsterung erneuert;
Historisches Museum Hannover